PRO – Log 02 – Lt. Indika Suravi – MED - SD: 15249.1516

Begleitschiff: USS Prophecy NCC - 202012 - Intrepid - Refit Class
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Jadzia_Bennet
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Mi 21. Mai 2014, 14:11

PRO – Log 02 – Lt. Indika Suravi – MED - SD: 15249.1516

Personen: Taylor McMannis, Harley Hay Kristoffson,

Wörter: 621


*** Prophecy – Deck 5 – Krankenstation ***


So langsam bekamen wir die Situation in Griff. Noch immer waren viele Betten mit Crewmitgliedern belegt, deren Verletzungen nicht einfach mal schnell mit einem Draufpusten und einem aufmunternden Spruch zu heilen waren, doch der Strom der Neuankömmlinge riss langsam ab.
Auch Harley hatte sich kurz gemeldet und einen Lagebericht der Krankenstation angefordert, was mich sehr erleichterte. Sie war also nicht unter den Verletzten, sondern auf der Brücke. Schnell erklärte ich ihr die momentane Situation. „Sehr gut gemacht“, lobte sie kurz, ehe die Verbindung geschlossen wurde. Das war etwas, das ich an meiner Vorgesetzten schätzte. Auch wenn es einmal turbulent zuging, fand sie Zeit für kurze aufmunternde oder lobende Worte.

„Wer hatte den Patienten, dem ein Bein fehlt?“ riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken. Die Stimme gehörte einem jungen rothaarigen Mediziner, den ich zwar schon hier gesehen hatte, mit dem ich aber, wohl wegen unterschiedlicher Schichtzeiten, noch nie zusammen gearbeitet hatte.
Ich meldete mich also und der Kollege kam auf mich zu.
Erst jetzt bemerkte ich, das er sich etwas unter den Arm geklemmt hatte.
„Das ist doch nicht etwa....“, irgendwie konnte ich nicht so recht glauben was ich sah. Es war ein Bein! Keines aus Plastik. Nein, ein echtes wirkliches menschliches Bein. Genauer gesagt, ein Unterschenkel mit Fuß. Es trug sogar noch seinen Uniformstiefel.

Mit einem fröhlichen Lächeln hielt der Mann mir das Bein unter die Nase. „Dann sollten wir ihn für eine weitere Operation vorbereiten“, sagte er seelenruhig, so als wäre das hier eine alltägliche Situation. Als wäre es ganz normal, das Leute Körperteile verlieren, die er dann netterweise einsammelt.
Auch wenn ich mich ein wenig über die Gemütsruhe meines Kollegen wunderte, hatte er in der Sache recht. Noch war genug Zeit dem armen Techniker, sein eigenes Bein wieder zurück zu geben und ihn vor einer Prothese zu bewahren.
„Gut, Chief“, erklärte ich also und fuhr fort: „Dann können sie mir gleich assistieren.“
Er reagierte nicht gleich und ich wandte meinen Blick von dem knapp vor meinem Gesicht schwebenden Bein ab. Erst jetzt bemerkte ich, das der junge Mann etwas geistesabwesend auf meinen Oberkörper starrte.
„Was ist los? Ist ihnen vielleicht übel?“, fragte ich, denn das würde einiges erklären.
„Übel?“, antwortete er ohne seinen Blick zu heben. „Nein, übel sind die nicht.“
Chief!“, rief ich, vielleicht eine Spur zu laut. „Folgen Sie mir zu dem Patienten. Sie werden mir bei der Operation assistieren.
Irgendwie hatte ich ihn nun doch aus seinen Gedanken gerissen, denn anstandslos trottete er, mit drei Beinen, hinter mir her.

Es war keine alltägliche Operation, doch mit Hilfe der modernsten medizinischen Gerätschaften, mit denen die Krankenstation der Prophecy ausgestattet war, gelang es Ty, er hatte sich inzwischen vorgestellt, und mir, das Bein wieder an seinem angestammten Ort zu verankern.
Ich hatte mir während dieser OP schnell angewöhnt, mich bei jeder Anweisung, die ich meinem Kollegen gab zu vergewissern, ob ich auch dessen Aufmerksamkeit hatte. Wenn er es schaffte, sich für eine Weile zu konzentrieren, so war er ein toller Mediziner. Wenn ich einmal bei einem Handgriff unsicher war, so konnte es passieren, das er genau das Richtige sagte um mir einen Tip zu geben, doch immer wieder wirkte er abgelenkt. Meist befand sich diese Ablenkung ein kleines Stück unter meinem Hals.

Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass das Bein des Patienten in allen Bereichen wieder normal durchblutet war, nickte ich Ty zufrieden zu.
„Nun hat der Mann wieder seine eigenen zwei Beine“, sagte ich zufrieden zu meinem Operationsassistenten und er antwortete indem er etwas vor sich hin murmelte: „Zwei oder drei......“
Mir war nicht klar, ob er an Beine oder andere Körperteile dachte.
“Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.”

Tecumseh, Häuptling der Shawnee
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