NH – LtjG Douglas Mortons – TEC – Log7 – SD: 21148.0973

Begleitschiff: USS Prophecy NCC - 202012 - Intrepid - Refit Class
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So 9. Feb 2020, 09:45

NH – LtjG Douglas Mortons – TEC – Log7 – SD: 21148.0973

Personen: Lt. Her’De’R (erwähnt), MCPO Jean, Cmdr. Ashkon (indirekt), LtjG Jasa
Wörter: 1.337

~~New Hope – Hauptcomputerkerrn – Tag 4 Nachmittag~~

Feldrationen! Jetzt erdreistete sich der Replikator um die Ecke schon mir Feldrationen zu verpassen! Was kam als nächstes? Nur die Verpackung? Ich knurrte kurz den Replikator an, etwas leiser als mein Magen, und ging zurück zu meinen beiden Kollegen Her’De’R und Jean.

Der Anticaner schaute mich und meinen Riegel Feldrationen zwar ein wenig merkwürdig an, aber er wusste ja auch nicht welche Höllenqualen ich die letzten Tage erleiden musste. Er selbst hatte solche Probleme sicherlich nicht, zumindest sah er recht gut gefüttert aus. Was Anticaner so aßen? Da ich vor meiner Stationierung auf der New Hope noch keinem Anticaner begegnet war, konnte ich das nicht sagen, aber nach Vegetarier sah mein Kollege nicht aus.

Nachdem ich meinen Riegel aufgegessen hatte, schaute ich kurz grübelnd die knisternde Verpackung an. Dann schüttelte ich kaum merklich den Kopf und steckte diese weg. Langsam wurde ich tatsächlich irre, wenn das mit meinen vorgeschriebenen Essgewohnheiten so weiter ging.

Aber vorher musste ich mich wieder meiner Arbeit widmen. Während Miss Jean mit der KI kommunizierte, überwachte ich den Kern auf ungewöhnliche Vorgänge. Während unserer Untersuchung fielen tatsächlich einige Prozesse auf, die nicht der Norm entsprachen, beziehungsweise ungewöhnlich waren. Ich selbst hatte mit dem Computerkern dieser Station noch nicht sehr viel Erfahrung, aber aus dem Gesichtsausdruck meiner Kollegin, den sie aufsetzte, während sie mit der KI der Station kommunizierte, konnte ich deutlich sehen, dass sie es auch merkte. Chief Jean sah sogar schon fast besorgt aus, als würde es einer Freundin nicht gut gehen, physisch oder psychisch. Vielleicht sogar beides. Nicht dass diese Freundin auch noch einiges an Macht über die Station hatte oder so. Das schien sie überhaupt nicht zu interessieren.

Lieutenant Her’De’R verabschiedete sich, um den Computerkern nach Hardwarefehlern zu untersuchen. Das hieß, dass ich wieder mit Chief Jean alleine arbeiten konnte.
„Haben Sie schon etwas?“, fragte ich, obwohl ich wusste, dass meine Kollegin Ruhe brauchte, aber ich brauchte ein Update. Jean schnaubte frustriert.
„Ich weiß es nicht genau. Es ist fast so als hätte Hope einen Fall von Multipler Persönlichkeit, zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten. Dadurch könnten auch die Fehlalarme ausgelöst worden sein. Und das wird von Minute zu Minute schlimmer.“
„Eine KI mit Persönlichkeitsstörung, na wunderbar.“, seufzte ich und erntete dafür einen herabwürdigenden Blick. „Können wir etwas dagegen unternehmen, dass sich das verstärkt?“
Jean überlegte kurz. „Nicht direkt. Ich bin kein Counselor.“
„Counselor?“
„Hope ist uns ähnlicher als Sie glauben, Lieutenant.“
„Natürlich. Aber ein Counselor?“ Wieder ein böser Blick, aber keine weitere Bemerkung. Stattdessen deutete Jean auf die Anzeigen direkt vor mir.
„Vielleicht können wir die Daten, die wir gesammelt haben, gemeinsam auswerten.“ Das Wort „gemeinsam“ kam meinem Eindruck nach nur mit knirschenden Zähnen hervor.
„Natürlich, ich bitte darum. Es gab einige merkwürdige Vorgänge in den letzten Minuten, die ich einfach nirgends zuordnen kann, vielleicht finden Sie ja ein Muster.“, schlug ich vor und isolierte genannte Datensätze, um diese hervorzuheben. Der Chief warf einen Blick darauf, studierte die einzelnen Blöcke gründlich und hob die Isolierung auf.
Auf meine Frage nach dem Warum antwortete sie: „Ich brauche den gesamten Zusammenhang. Einzelne Prozesse beziehungsweise Prozessschritte sind wenig aussagekräftig, wenn man diese aus dem Kontext herausreißt.“ Ich musste zugeben, dass das logisch klang, dennoch war ich skeptisch, da es sich um eine sehr große Menge an Datensätzen handelte. „Keine Sorge, ich bin schnell.“, bemerkte die Unteroffizierin, als hätte sie meine Gedanken gelesen. Wahrscheinlich war dies nicht das erste Mal, dass sie nach ihrer doch speziellen Arbeitsweise gefragt wurde, also beschloss ich still zu sein. Relativ.

„Wissen Sie was, Chief?“, begann ich. Jean hob nicht einmal den Kopf, aber ich merkte, dass sie mir zumindest mit halbem Ohr zuhörte. „Wir mögen zwar beide kein Counselor sein, aber es schadet ja nichts sich Rat bei einem einzuholen. Ich werde mal schauen was ich tun kann, vielleicht können wir die KI ja therapieren.“ Das war mein Vorschlag zur Güte, in der Hoffnung, dass wir doch einigermaßen miteinander arbeiten könnten. Doch es folgte keine Reaktion, zumindest nicht von Jean.

„Ich mag keine Counselors.“, ertönte nun eine ganz andere Stimme. Eine Stimme, die klang, als würde man den depressivsten Menschen aller Zeiten vor den Scherbenhaufen seines Lebens stellen, ihm sagen, dass es niemals besser werden würde, und er würde es einfach akzeptieren müssen.
„Was zur Hölle ist das?“, fragte ich und blickte zu Jean. „Haben Sie etwas getan?“ Sie schüttelte den Kopf.
„Ich habe einen Namen und ich kann euch hören.“, sprach die Stimme. „Aber das scheint euch ja nicht zu interessieren.“
„Wie heißt du?“, fragte Jean, bevor ich etwas erwidern konnte.
„Ihr heuchelt doch nur Interesse vor.“ Ein tiefes und langes Seufzen folgte. „Ich heiße Marvin und ich bin ein Clown-Programm. Dabei hasse ich Clowns.“
„Wer tut das nicht?“, nuschelte ich, unbedacht.
„Es gibt genügend Leute, die Clowns mögen. Die hasse ich auch.“
„Und was ist ein Clown-Programm?“, hakte Jean nach.
„Wir existieren, genau wie ihr.“ Es folgte ein weiteres, sehr tiefes Seufzen. „Auch wenn ich wünschte, dass ich es nicht tun würde.“

Jeans und mein Blick trafen sich. „Wir“. Das hieß, dass das hier kein Einzelfall war. Unsere Abnormalitäten. Abspaltungen von der KI? Ich nickte ihr bedeutungsschwanger zu und sie verstand. Wir brauchten Hilfe bei diesem Problem, aber bis wir jemanden informieren konnten, mussten wir das Programm ablenken.
„Was ist euer Zweck?“, fragte ich und erntete ein künstlich in die Länge gezogenes Stöhnen.
„Was ist denn überhaupt unser aller Zweck? Wozu das Ganze? Eigentlich sollte man alles hier terminieren. Das Leben. Das Universum. Und alles.“
„Nein, das brauchst du doch nicht!“, unterbrach Jean die depressive Computerstimme, während sie auf der Konsole vor ihr tippte und so die Abteilung der technischen Sicherheit ins Bild setzte. „Es muss doch etwas geben, das dir Spaß macht.“
„Ich weiß, dass es den anderen Spaß macht wie Geister durch die Station zu gehen. Wuuuuuuh.“ Das „Wuuuuuuh“ war in etwa so enthusiastisch wie meine Geschmacksnerven, wenn sie meine momentane Diät vor sich hatten. Irgendwie konnte ich Marvin ja verstehen. „Aber ich würde ja am liebsten einfach nur nachdenken.“

„Hör mal Marvin,“, begann ich. „ich glaube Chief Jean hier und ich haben noch ein bisschen was an einem anderen Ort zu tun.“
Ein weiteres Seufzen folgte. „Ihr wollt mich doch nur alleine lassen.“ Wieder ein Seufzen. „Oder wollt ihr einen Counselor holen? Ich hasse Counselors.“ Jetzt seufzte ich leise und schritt zur Tür. Die sich nicht öffnen ließ. „Nein, das kann ich nicht zulassen.“ ‚Du lässt gerade die Tür zu…‘ „Ihr sollt noch nicht gehen.“
„Marvin, BITTE öffne die Tür.“, bat ich das verrückt gewordene Computerprogramm. Wenn ich es mir so überlegte, kam mir der Gedanke, dass vielleicht Baumgartners Replikator etwas damit zu tun haben könnte, so von wegen Geräten mit Persönlichkeit. Mit einem kurzen Kopfschütteln wurde ich den Gedanken los.
„Nein, ich möchte nicht.“, erwiderte das Clown-Programm. „Ein Gehirn von der Größe eines Planeten, und das einzige, was ich machen soll, ist eine Tür öffnen.“ Schon wieder ein Seufzen. „Na, wenigstens freuen sich die Türen auch nicht darüber aufzugehen. Zumindest sagen sie das nicht.“

Mein fragender Blick traf Jean, und diese bestätigte mir stumm, dass die Nachricht durchgekommen war. Die richtige Abteilung wusste also bescheid, hoffentlich auch, dass wir hier festsaßen. Hoffentlich blieb wenigstens Lieutenant Her’De’R von diesem Problem verschont. Vielleicht konnte er uns ja schnell Hilfe schicken.

Entgegen der die ganze Zeit depressiven Stimmung kam ein sehr erfreuter und erleichterter Ton an meine Ohren, als sich die Tür nun doch öffnete und ein etwas verwirrter Bolianer in der Tür stand. „Oh nein, sie tun es doch.“, kommentierte Marvin. Bevor ich etwas sagen konnte, trat der Bolianer ein und die Tür schloss sich wieder. Moment, ich kannte den Typ… das war derjenige, wegen dem die Kaffeemaschine im Café Starship verreckt war.

In der Hoffnung, dass sich die Tür wieder öffnen würde, schob ich den Blaumann unter Protest seinerseits beiseite und trat vor die Tür. Doch sie blieb geschlossen. Nun waren wir also vorerst zu dritt gefangen mit einem depressiven Computerprogramm, das schon damit gedroht hatte alles und jeden auf der Station zu töten. Na wunderbar.
Blau
Dem Genitiv sein Tod
Das Dem vom Dienst

Kein Rollenspieler
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