Wörter: 1180
Personen: Duncan, Bashir, R.Jarjayes
NPC: J.Jarjayes
Erwähnt: Six
=/= Wraks Bar
Es war angenehm und irgendwie fühlte ich mich ein wenig an alte Filme erinnert, wenn man dort Betriebsweihnachtsfeiern sah. Hier und da tuschelten Leute miteinander, ab und an konnte man ganz genau sehen, wenn jemand nun diese Nacht miteinander ins Bett steigen würde und es wahrscheinlich morgen früh bereuen würde.
Ich für meinen Teil hoffte jedenfalls, dass ich heute Nacht nicht allein ins Bett gehen würde, aber noch hatte weder Jolina noch Jerome wirklich zugesagt.
Und dann betrat jemand das Casino, mit einem kleinen Baby im Arm. Sie ging direkt auf Jerome zu und als dieser sie sah, sprang er direkt auf. Diese Frau erinnerte mich schlagartig an Solvejg und prompt spürte ich einen Stich im Herzen. Jetzt wusste ich, was Jerome damit meinte, Solvi würde ihn an seine Schwestern erinnern. Sie sahen sich wirklich sehr ähnlich.
Die Frage danach, was sie hier an Bord machte, beantwortete sie direkt selbst, indem sie nach mir suchte und meinte, sie wäre als Counselor bestellt worden.
Ich hörte meinen Namen und ging dann doch zu ihr.
Nach einer kurzen Vorstellung, hieß ich sie natürlich auf dem Schiff Willkommen.
„Melden sie sich am besten dann, wenn sie sich im Quartier etwas eingelebt haben, bei Ensign Junior Six of Twentyfive, sie ist ihre Vorgesetzte hier an Bord.“
Kurz überlegte ich und dachte nach. Natürlich, der Name kam mir ja gleich irgendwie bekannt vor.
„Und willkommen zurück an Bord, in ihrem alten Büro dürfte soweit nichts verändert worden sein.“
Ich ließ dann Jerome und die zwei Mädels allein, jetzt konnte ich es mir wahrscheinlich komplett abschminken, dass er die Nacht zu mir kommen würde. Aber angesichts dessen, das seine Schwester nun hier war, die er schon lange nicht mehr gesehen hatte, würde ich ihm das nicht verübeln können.
Mit einem schwachen Lächeln stellte ich mich ein wenig abseits, beobachtete das Treiben, als Julian herein trat. Er hatte sich selbst in diesem Urlaub einige Dienste auferlegt. Wahrscheinlich auch um dem ganzen Weihnachtstrubel entkommen zu können. Bei dem Gedanken grinste ich.
Und dann sah ich wie er Miss Jarjayes begutachtete. Ein wenig zu sehr als Mann, anstatt als Erster Offizier. Ich ging zu ihm hinüber und wollte ihn von seinen Gedanken los reißen. War ich eifersüchtig? Ein wenig. Immerhin wollte ich ihn. Schon lange. Schon ewig? Es kam mir wie immer vor wie aus einer anderen Zeit. Meine Gefühle für ihn waren tief, aber irgendwie auch sehr weit entfernt. Fast so als wären sie aus einem anderen Universum oder gar einer anderen Dimension.
Vor allem wenn man an unser Gespräch ein paar Stunden zuvor dachte. Was er mir da erzählte beziehungsweise aus meinen Erinnerungen hervor kramte, passte irgendwie zu meinen Gedanken und Gefühlen ihm gegenüber.
Irgendwo, in einer anderen Zeit, einer anderen Dimension, waren wir vielleicht einmal wirklich ein Paar gewesen. Doch nicht hier.
„Außerdem bist du verheiratet.“ Und damit hatte ich ihn.
Julians Aufmerksamkeit galt nun wieder ganz mir. Als er mir jedoch ein Geschenk in die Hand drückte und mir zum Geburtstag gratulierte, wünschte ich mir irgendwie, ich hätte sie nicht auf mich gezogen.
Irritiert sah ich auf die Schachtel in meiner Hand und ihm hinterher. Er machte wirklich seine Hausaufgaben, sonst wusste niemand an Bord das ich Geburtstag hatte. Oder aber sie ignorierten es geflissentlich oder hatten es einfach wieder vergessen.
Sollte ich das Geschenk hier öffnen? Irgendetwas in mir schrie ganz deutlich ‚Bloß nicht!‘ Und so beschloss ich, in mein Quartier zu gehen und den Rest des Abends dort zu verbringen. Hoffentlich nicht allein.
=/= Quartier
Die Türen schlossen sich hinter mir und ich lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Ruhe. Hier war ich nur ich, nur Jessica. Nachdenklich sah ich auf die Schachtel in meiner Hand. Ohne sie aufzumachen, würde ich wohl nicht heraus finden was dort drin war.
Ein paar Schritte und ich war an meinem Sofa, setzte mich darauf und stellte die Schachtel auf den Tisch.
Sollte ich es wirklich öffnen?
Immer wieder bewegte ich meine Hand zum Deckel, nur um sie dann doch wieder kurz vorher zurück zu ziehen. Warum hatte ich Angst davor es zu öffnen?
Nach ungefähr zehn Minuten gewann dann meine Neugier die Oberhand und ich hob den Deckel von der Schachtel.
„Was?“
Ich holte das Geschenk aus der Schachtel und wusste, momentan war ich wohl kreidebleich.
In meiner Hand war tatsächlich das Modell eines Schiffes, aber nicht von der Sternenflotte.
Obwohl ich es bewusst noch nie gesehen hatte, wusste ich ganz genau was es mit diesem Schiff auf sich hatte. Erinnerungen blitzten durch meinen Kopf. Fragmente meiner Vergangenheit? Der Vergangenheit zu der es überhaupt keine Aufzeichnungen gab. Die drei Jahre in denen ich spurlos verschwunden war für die anderen und ich mich selbst nicht daran erinnern konnte wo ich war.
Eines Tages war ich einfach wieder da und hatte damals das Gefühl fort gerissen worden zu sein.
Ein gemischtes Gefühl aus Sehnsucht zurück und der Freude wieder zu Hause zu sein.
Doch erklären konnte ich es mir nie. Und nun, da ich dieses Modellschiff in der Hand hatte, schien alles wieder klarer zu werden.
Es war ein sehr schönes Schiff, majestätisch, groß. Und ich hatte darauf gedient. Unter Julian.
Mein Kopf fing an zu dröhnen.
Und dann war da noch dieses grässliche Summen im Hintergrund. Es wurde lauter und es donnerte in meinem Kopf.
Sekunden vergingen bis ich merkte, dass dieses Klopfen nicht in meinem Kopf war, sondern an der Tür und das Summen, war der Türsummer. Immer wieder wurde gegen die Tür gehämmert.
„Jessy, mach auf oder ich brech die Tür auf.“ Die Stimme klang aufgeregt, besorgt?
Ich versuchte mich zu orientieren, sah das Schiff in meiner Hand und wusste, es würde Fragen aufwerfen wenn man es sah. Schnell packte ich es wieder in die Schachtel und die Schachtel erst einmal hinter das Sofa. Dort würde so schnell wohl niemand nachsehen.
„Jaja, ich komme ja schon!“ Kurze Zeit später stand Jerome vor mir, sah sich mit besorgtem und wachsamen Blick um. „Ich stehe schon seit guten fünf Minuten vor deiner Tür. Was war los?“
Anstatt ihm eine Antwort zu geben, drückte ich mich an ihn und küsste ihn leidenschaftlich.
„Schön das du da bist! Ich habe allerdings noch jemanden eingeladen, ich hoffe du hast nichts dagegen?“ Erst sah ich Zweifel in seinem wundervoll markanten Gesicht, aber dann hellte es sich auf und er erinnerte sich wohl.
„Ich hoffe Jolina kommt und wir können gemeinsam die Nacht verbringen?“
Die Aussage war voller Hoffnung und anstatt mir wörtlich zu antworten, schlang er seine Arme um mich und schob mich zur Couch.
Schnell hatte er uns der Klamotten entledigt und gerade als er damit anfangen wollte meinen Hals mit seinen Küssen und zärtlichen Bissen zu übersehen, summte es wieder an der Tür.
Ich stöhnte nur ein „Herein“ heraus, es war mir schnell egal ob uns nun jemand anderes sehen konnte oder ob es tatsächlich Jolina war. So schnell hatte ich noch nie die Kontrolle über meinen Verstand verloren wie in diesem Moment.
Aus dem Augenwinkel sah ich einen weiblichen Körper, wunderschön und kraftvoll. Hören konnte ich nur ein kurzes „Wow!“. Und dann spürte ich auch schon ihre zarten Hände auf meiner Haut.