Gammaquadrant – Starbase G-001 „New Hope“ – Adm. Arscosea Chakoty – HQ SIC-Log – RPG51 – Log 06 – SD: 28001.1983

Gammaquadrant – Starbase G-001 „New Hope“ – Adm. Arscosea Chakoty – HQ SIC-Log – RPG51 – Log 06 – SD: 28001.1983

Hauptpersonen: Commander Drilorian Mangnorn (NPC), Dusty – Schiffsavatar der U.S.S. Stardust / Attaché des Admirals
Nebenpersonen: Werftpersonal New Hope, Techniker und Offiziere der Sternenflotte
OESF Canon: Starbase G-001 New Hope, U.S.S. Stardust, Shedar-Technologie, Erben des Gammaquadranten
Wörter: 2681


=/= Gammaquadrant | Starbase G-001 „New Hope“ | Promenadendeck =/=

Es gab wohl kaum einen Ort auf New Hope, an dem man vergessen konnte wo man sich befand.

Auch wenn die Promenade auf den ersten Blick nicht viel anders wirkte als auf anderen großen Sternenbasen der Föderation, war spätestens beim zweiten Blick klar, dass diese Station anders war. Vielleicht lag es an den vielen Völkern des Gammaquadranten, die mittlerweile genauso selbstverständlich durch die breiten Korridore gingen wie Menschen, Bajoraner, Trill oder Andorianer. Vielleicht waren es die Geschäfte und kleinen Restaurants, deren Gerüche sich mit der künstlich aufbereiteten Stationsluft vermischten, oder die Händler, die Waren anboten, welche man vor zwanzig Jahren auf keiner Handelsstation im Alphaquadranten gefunden hätte.

New Hope war eben keine Station die irgendwann an einer gut erschlossenen Handelsroute gebaut worden war.

Sie war hier entstanden, weil sich der Gammaquadrant verändert hatte.

Das Erbe der Shedar, der immer noch schwelende Konflikt innerhalb des Dominions und die Chiasmar Jem’Hadar hatten die alten Machtverhältnisse aufgebrochen. Die Föderation hatte irgendwann entscheiden müssen, ob sie weiter nur durch das Wurmloch schauen oder tatsächlich Verantwortung übernehmen wollte.

G-001 war die Antwort darauf geworden.

New Hope.

Der Name war damals vielleicht etwas pathetisch gewesen. Aber nach all den Jahren musste selbst ich zugeben, dass er irgendwie passte.

Ich saß an einem der äußeren Tische eines kleinen Restaurants und hatte meinen Platz wie so oft so gewählt, dass ich sowohl einen Teil der Promenade als auch die große Fensterfront sehen konnte.

Eine alte Angewohnheit. Vielleicht aus meiner Zeit beim SIC. Vielleicht aber auch schon wesentlich älter.Vor mir stand eine Tasse Raktajino und daneben mein PADD, auf dem seit fast zwanzig Minuten dieselbe Seite geöffnet war.

U.S.S. Stardust – Refitphase I – Systemintegration / Sekundärsysteme.

Eigentlich nichts Besonderes.

Und genau das störte mich.

Ich nahm einen Schluck und blickte durch die Fensterfront hinaus. Von hier aus konnte man einen Teil der äußeren Dockstruktur sehen. Kleine Arbeitsboote bewegten sich zwischen den mächtigen Streben der Station. Dahinter hing ein Frachter der Karemma, dessen ungewöhnlich breite Transportsektion beinahe die gesamte Sicht auf die Sterne verdeckte. Zwei Shuttles der Sternenflotte zogen langsam an ihm vorbei und verschwanden hinter einem der Dockarme.

Das Leben auf New Hope ging weiter. Während einige Decks tiefer Techniker mein Schiff auseinandernahmen.

Ich musste bei dem Gedanken etwas schmunzeln.

Mein Schiff.

Eigentlich war die Stardust schon lange nicht mehr mein Schiff. Zumindest nicht in jenem klassischen Sinn, wie sie es gewesen war, als ich selbst noch als Captain auf ihrer Brücke gesessen hatte. Sie war ausgemustert worden, hatte längst ihren Platz in den Geschichtsbüchern der ÖSF und wenn es nach einigen Leuten gegangen wäre wohl auch irgendwann einen Platz im Flottenmuseum bekommen.

Geordi LaForge hätte sich vermutlich sogar darüber gefreut. Ich nicht. Zu viele Jahre meines Lebens waren mit diesem Schiff verbunden.

Ich war als junger Mann in die Sternenflotte eingetreten, hatte irgendwann als einfacher Crewman begonnen und hätte damals wohl jeden ausgelacht, der mir gesagt hätte, dass ich Jahrzehnte später als Admiral auf einer Sternenbasis im Gammaquadranten sitzen würde und darüber nachdachte, wie ich verhindern konnte, dass das Sternenflottenkommando in die Systeme meines ehemaligen Kommandoschiffes hineinpfuschte.

Die Sternenflotte hatte einen seltsamen Humor. Oder das Universum. Wahrscheinlich beide. Ich blickte wieder auf das PADD.

Das Problem war nicht das Refit selbst.

Die Stardust brauchte es.

So sehr ich an alten Dingen hing, ich war kein Narr. Ihre Systeme waren über Jahre immer wieder ergänzt, verändert und mit Technologien kombiniert worden, die bei ihrer Konstruktion niemand hätte vorhersehen können. Dazu kamen die Shedar-Systeme und natürlich Dusty.

Ein technologisches Puzzle. Und ich mochte Puzzle. Nur mochte ich es nicht, wenn jemand versuchte ein Teil hineinzudrücken das offensichtlich nicht hineinpasste.Auf dem Display befand sich genau so eines.

Emergency Command Interface – externe Prioritätskontrolle.

Ich hatte die Zeile mittlerweile wahrscheinlich fünfzig Mal gelesen.

Der Begriff selbst war nicht ungewöhnlich. Moderne Sternenflottenschiffe verfügten über zahlreiche Möglichkeiten, einzelne Systeme bei Notfällen voneinander zu trennen oder zentral zu kontrollieren.

Nach Mars konnte ich sogar verstehen, warum.

Die Bilder waren noch immer in den Köpfen der Menschen. Die brennenden Werften, die Synths, die innerhalb weniger Minuten eine der wichtigsten Einrichtungen der Föderation verwüstet hatten.

Und nun Frontier Day.

Wieder hatte die Sternenflotte erleben müssen, was passieren konnte, wenn man zu viele Systeme miteinander verband und glaubte, Automatisierung würde Sicherheit bedeuten.

Die Borg hatten ihnen auf die brutalste mögliche Weise das Gegenteil bewiesen. Das Problem war also nicht, dass dieses Interface existierte. Das Problem war, wohin es führte. Direkt zur Avatar-Matrix der Stardust.

Ich lehnte mich zurück. Da war es. Das nächste Puzzlestück.


=/= Starbase G-001 „New Hope“ | Werftsektion – Dock 2 =/=

Der Unterschied zwischen der Promenade und der Werftsektion hätte kaum größer sein können.

Je näher man den äußeren Dockringen kam, desto mehr verlor New Hope ihren beinahe zivilen Charakter. Die breiten, hellen Korridore wurden enger und funktionaler. Statt Restaurants und Geschäften dominierten technische Zugänge, Materiallager und Schleusen. Überall bewegten sich Techniker in Arbeitsuniformen, kleine Transportplattformen schwebten mit Ersatzteilen durch die Gänge und irgendwo hinter den Wänden hörte man das tiefe Vibrieren gewaltiger Energieverteiler.

Der Geruch war ebenfalls anders. Metall. Schmiermittel. Ozongeruch von geöffneten EPS-Leitungen.

Ich mochte ihn.

Er erinnerte mich an meine frühen Jahre, als ein Schiff für mich noch weniger politisches Instrument und mehr Arbeitsplatz gewesen war.

Mangnorn erwartete mich an der Zugangsschleuse zu Dock 2.

„Admiral.“

Ich nickte ihm zu und wir gingen gemeinsam weiter.

Durch eine transparente Schutzwand war die Stardust beinahe vollständig zu sehen.

Oder zumindest das, was die Werft gerade von ihr übrig gelassen hatte.

Mehrere äußere Hüllensegmente waren geöffnet. Teile der Warpgondeln lagen frei und entlang des oberen Rumpfes hatten Wartungsplattformen ganze Reihen von Paneelen entfernt. Dutzende kleine Lichter bewegten sich über ihre Oberfläche.

Es war ein eigenartiger Anblick. Ich kannte jede Linie dieses Schiffes. Jede Kurve. Selbst nach all den Jahren. Die Stardust war für mich niemals nur eine Prometheus-Klasse gewesen. Zu viel war mit ihr geschehen, zu oft war sie verändert worden. Und irgendwo in diesem Schiff lagen noch immer Erinnerungen an Menschen, die längst andere Wege gegangen waren.

Crewmitglieder.

Freunde.

Menschen die gestorben waren.

Andere die heute selbst Kommandos führten oder irgendwo in der Föderation ihr Leben lebten.

Ein Schiff war irgendwann mehr als Metall. Vielleicht verstanden Werftingenieure das nicht immer.

Dusty verstand es. Für sie war es sogar noch etwas anderes. Die Stardust war nicht nur ihr Zuhause.

Sie war auf eine schwer erklärbare Weise auch ein Teil ihrer selbst.

„Die Primärleitungen sind zu knapp vierzig Prozent erneuert“, erklärte Mangnorn neben mir. „Deflektorsystem und Sensorphalanx liegen im Zeitplan. Beim Computerkern sind die Arbeiten weiterhin gestoppt.“

„Gut.“

Mehr sagte ich zunächst nicht.

Wir gingen über einen der Zugangstunnel in die Stardust.


=/= U.S.S. Stardust | Deck 3 – Hauptkorridor =/=

Ich blieb kurz stehen.

Es sah schrecklich aus.

Wandverkleidungen fehlten, Leitungen hingen aus geöffneten Versorgungsschächten und an mehreren Stellen waren Bodenplatten entfernt worden. Provisorische Arbeitslichter tauchten den Korridor in ein kaltes weißes Licht.

Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich geglaubt, wir hätten gerade eine Schlacht verloren.

„Wenn Dusty das sieht, bekommt die Werft eine Rechnung“, murmelte ich.

„Zu spät.“

Ihre Stimme kam von rechts.

Ich drehte mich um.

Dusty stand wenige Meter entfernt zwischen zwei geöffneten Wandsegmenten und betrachtete mit verschränkten Armen einen Techniker, der offenbar gerade einen Verteiler ausbaute.

Ihr Erscheinungsbild unterschied sich bewusst von den Sternenflottenuniformen um sie herum. Das Kleidungsstück erinnerte wieder an jene eigenartige Mischung aus bajoranischen und Shedar-Einflüssen, die sie bevorzugte.

Sie war hier nicht irgendeine holographische Projektion. Sie war Dusty. Schiffsavatar der Stardust.

Und meine Attaché. Der Techniker bemerkte meinen Rang und wurde augenblicklich etwas nervöser.

Ich ersparte ihm das Salutieren. „Sie machen mein Schiff kaputt“, stellte Dusty fest.

„Wir modernisieren es“, antwortete der Mann vorsichtig.

Dusty blickte auf die offene Wand.

„Das sagen Ärzte vermutlich auch kurz bevor sie jemanden aufschneiden.“

Ich musste grinsen.

Mangnorn weniger.

Wir ließen den armen Mann weiterarbeiten und gingen gemeinsam Richtung Hauptcomputerkern.

Dusty sagte zunächst nichts.

Das war ungewöhnlich genug, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen.

„Du hast dir die Schnittstelle angesehen.“

Keine Frage.

Sie nickte.

„Ja.“

Mehr kam nicht.

Ich sah sie von der Seite an.

„Und?“

„Ich mag sie nicht.“

Das genügte mir fürs Erste. Wir gingen weiter. Genau diese Eigenschaft hatte ich an Dusty immer geschätzt. Sie konnte innerhalb von Sekunden mehr Daten analysieren als ich in einer Woche lesen konnte, aber sie wusste auch, wann Informationen noch keine Antwort ergaben.

Das unterschied sie vielleicht stärker von einem Computersystem als alles andere. Sie konnte zweifeln.


=/= U.S.S. Stardust | Hauptcomputerkern – Zugangsebene =/=

Der Raum war fast vollständig dunkel.

Nur die Notbeleuchtung entlang des Bodens und einige Diagnoseanzeigen warfen bläuliches Licht auf die geöffneten Systeme.

Hier war die Trennung zwischen Föderationstechnologie und den später integrierten Komponenten besonders deutlich sichtbar.

Die Sternenflotte baute ordentlich. Standardisiert. Logisch.Die Shedar hatten offenbar andere Vorstellungen davon gehabt, wie Technologie aussehen sollte. Manche ihrer Komponenten wirkten beinahe organisch, andere so schlicht, dass man ihre Funktion kaum erkennen konnte. Und irgendwo dazwischen existierte Dusty.

Nicht erschaffen von der Föderation. Nicht wirklich verstanden von der Sternenflotte. Aber seit Jahren Teil von uns.

Ich trat an eine der Konsolen.

Mangnorn rief den Refit-Plan auf.

Die neue Schnittstelle erschien als kleine Markierung.

Fast unscheinbar.

„Hier“, sagte er.

Ich vergrößerte den Bereich.

Die Leitung führte nicht direkt in Dustys Kernmatrix. Das wäre vermutlich sogar einem blinden Tellariten aufgefallen.

Stattdessen verlief sie über mehrere Sicherheitsebenen, durch das neue interne Diagnosesystem und endete an einer Schnittstelle, die im Notfall Prioritätsbefehle an sämtliche angeschlossenen Systeme senden konnte.

Einschließlich der Avatar-Systeme.

„Wer hat das genehmigt?“

Mangnorn öffnete die Signatur.

Starfleet Engineering – System Safety Directive.

Darunter mehrere Freigabecodes.

Alle korrekt. Zumindest auf den ersten Blick. Ich kannte diese Art von Dokumenten.Niemand war verantwortlich. Oder genauer gesagt: Jeder war ein bisschen verantwortlich.

Ein Ausschuss erstellte eine Richtlinie. Ein anderer bestätigte sie. Eine technische Abteilung machte daraus eine Spezifikation und am Ende verbaute irgendein Lieutenant auf New Hope etwas in meinem Schiff, weil sein PADD ihm sagte, dass es so vorgesehen war.

Perfekte Bürokratie.Und vermutlich vollkommen legal.Das machte mir mehr Sorgen als irgendein geheimnisvoller Eindringling.

„Dusty?“

Sie trat näher.

„Wenn diese Schnittstelle vollständig aktiviert wird, könnte sie mich nicht einfach kontrollieren.“

Das Wort einfach gefiel mir nicht.

„Aber?“

„Sie könnte mir den Zugriff auf wesentliche Teile der Stardust entziehen. Sensoren. interne Kommunikation. taktische Systeme. Je nach Konfiguration sogar meine Projektionsmöglichkeiten.“

Ich betrachtete das Schema.

„Also einen Käfig bauen.“

Dusty verzog leicht das Gesicht.

„Technisch unpräzise.“

„Aber bildlich korrekt.“

„Leider ja.“

Ich schwieg.

Und plötzlich musste ich wieder an Mars denken.Vielleicht war das hier keine Verschwörung. Vielleicht war es etwas viel Banaleres. Angst.Nach dem Angriff der Synths hatte die Föderation künstlichen und autonomen Systemen misstraut. Man hatte verboten, eingeschränkt, kontrolliert.

Dann hatte man sich langsam wieder geöffnet. Und Frontier Day hatte diese mühsam aufgebaute Sicherheit erneut zerstört.Die Sternenflotte hatte ihre modernsten Schiffe miteinander verbunden und daraus beinahe die Waffe geschaffen, mit der die Föderation vernichtet worden wäre. Natürlich würden nun Menschen nach Kontrolle verlangen.Nach manuellen Sicherungen.Nach Abschaltmöglichkeiten. Das war sogar nachvollziehbar. Nur war Dusty kein autonomes Waffensystem.

Keine Synth.Keine Software. Sie war eine photonische Lebensform. Und genau dort lag vielleicht das Problem. Für irgendeinen Ausschuss im Sternenflottenkommando war diese Unterscheidung möglicherweise weniger wichtig als für mich.

„Noch nichts verändern“, sagte ich schließlich.

Mangnorn sah mich überrascht an.

Dusty ebenfalls.

„Arscosea…“

„Wenn wir es jetzt entfernen, wissen wir nur, dass wir es entfernt haben.“

Ich blickte erneut auf die Projektion.

„Ich möchte wissen warum es hier ist.“

Dusty verstand als Erste ein kleines Lächeln huschte über ihre Gesicht.

„Puzzle.“

Ich nickte.

„Puzzle.“


=/= Starbase G-001 „New Hope“ | SIC – Büro des Leiters =/=

Einige Stunden später saß ich in meinem Büro.

Von allen Räumen auf New Hope war dieser vielleicht derjenige, der am wenigsten nach Gammaquadrant aussah. PADDs, Berichte, Sternenkarten und diplomatische Dossiers hatten die unangenehme Eigenschaft überall im Universum gleich auszusehen.

Hinter meinem Schreibtisch zeigte das große Fenster den Idran-Sektor.

Irgendwo dort draußen lagen Welten, deren Namen vor wenigen Jahrzehnten kaum jemand in der Föderation gekannt hatte.

Pekara. Karemma. Gebiete des Dominions. Territorien der Chiasmar. Und die Spuren einer Zivilisation, die vor Jahrtausenden diesen Quadranten geprägt hatte. Die Shedar hatten unser Verständnis des Gammaquadranten verändert. Vielleicht auch meines. Ich hatte gelernt, dass Geschichte niemals wirklich verschwand. Sie hinterließ Spuren.

In Völkern. In Politik. In Technologie Und manchmal in einem Schiff.

Dusty erschien ohne Vorwarnung auf dem Stuhl gegenüber meines Schreibtisches. So war es mir wesentlich lieber.

„Ich habe die Richtlinie zurückverfolgt.“

Ich legte mein PADD zur Seite.

„Und?“

„Der ursprüngliche Entwurf stammt tatsächlich aus der Zeit nach Mars.“

Das überraschte mich nicht.

„Damals ging es allerdings nicht um photonische Lebensformen. Es ging um autonome Kontrollsysteme auf Sternenflottenschiffen. Die Richtlinie wurde mehrfach überarbeitet.“

Sie projizierte eine kleine Zeitlinie über meinen Schreibtisch. Mehrere Revisionen. Mars. Aufhebung verschiedener Beschränkungen. Neue Automatisierungsprogramme. Flottenintegration.

Dann eine letzte Änderung.

Nach Frontier Day.

Ich betrachtete sie.

Da war das nächste Teil. Nicht die Antwort. Nur ein Teil.

„Was wurde geändert?“

„Der Anwendungsbereich.“

Die entsprechende Zeile erschien.

Aus autonomen taktischen und technischen Systemen waren autonome und teilautonome Entitäten mit Zugriff auf kritische Schiffsfunktionen geworden.

Entitäten so ein schönes Wort. Unpersönlich genug, damit niemand darüber nachdenken musste, ob damit vielleicht eine Person gemeint war. Ich lehnte mich zurück und betrachtete die Sterne hinter Dusty.

Vielleicht war es keine Verschwörung. Vielleicht wollte niemand Dusty stehlen, löschen oder verändern.
Vielleicht hatte irgendwo auf der Erde nach Frontier Day einfach jemand beschlossen, dass die Sternenflotte nie wieder zulassen durfte, dass etwas an Bord eines Schiffes existierte, auf das das Flottenkommando im Notfall keinen Zugriff hatte.

Aus deren Sicht vermutlich vernünftig.

Aus meiner nicht.Denn Freiheit funktionierte nur solange man sie auch dann verteidigte, wenn Sicherheit die bequemere Alternative war. Das war eine Lektion, welche die Föderation in den vergangenen Jahrzehnten erstaunlich oft vergessen hatte.

„Wer hat die letzte Revision angefordert?“

Dusty schwieg.

Das wiederum gefiel mir überhaupt nicht.

Dann erschien ein einzelner Eintrag auf meinem Schreibtisch.

Keine Person. Keine Abteilung.Nur eine Freigabekennung.

Ich kannte sie zwar nicht direkt. Aber ich hatte ähnliche Kennungen schon gesehen.

Vor Jahren in Berichten, die offiziell niemals existiert hatten. Bei Operationen, bei denen hinterher niemand verantwortlich gewesen war. Sektion 31 kam mir unwillkürlich in den Sinn ich schob den Gedanken sofort wieder beiseite.Noch nicht, ein Puzzlestück war kein Bild.Und ich hatte in meinem Leben oft genug erlebt, was passierte, wenn man zuerst eine Antwort hatte und danach nur noch nach Beweisen suchte die dazu passten.

„Mangnorn bekommt davon vorerst nichts.“

Dusty hob eine Augenbraue.

„Du vertraust ihm.“

„Ja.“

„Dann warum?“

Ich stand auf und ging zum Fenster.

Unterhalb des SIC-Komplexes zog langsam ein Föderationsschiff aus einem der inneren Docks. Seine Positionslichter verschwanden schließlich zwischen den Strukturen von New Hope, ehe es Kurs auf die äußere Navigationsmarke nahm.

„Weil Vertrauen nicht bedeutet, dass jeder alles wissen muss.“

Dusty sagte nichts mehr und sie kannte diesen Teil von mir. Den SIC-Leiter und Admiral aber auch den ehemaligen Captain der immer noch auf diesem Stuhl sitzt. Vielleicht mochte sie ihn nicht immer. Manchmal mochte ich ihn selbst nicht. Aber er hatte uns mehr als einmal am Leben gehalten. Ich blickte hinaus in den Gammaquadranten.

Hinter mir schwebte noch immer die Kennung über meinem Schreibtisch. Ein kleines Stück Information. Unscheinbar und es schien fast bedeutungslos aber irgendwo tief in meinem Inneren hatte sich dieses alte Gefühl gemeldet, Dass etwas nicht zusammenpasste.

Dass unter der Oberfläche mehr lag. Ich hatte dieses Gefühl im Laufe meiner Karriere oft genug ignoriert und es fast jedes Mal bereut.Also würden wir suchen, langsam, Still, die Techniker würden die Stardust weiter modernisieren.Das Sternenflottenkommando durfte glauben, dass sein Refit nach Plan verlief.

Und wir würden herausfinden, warum irgendjemand so viel Wert darauf legte, einen Schiffsavatar unter eine Kontrolle zu stellen, die es in dieser Form vorher nicht gegeben hatte.

Dusty löschte die Projektion.

„Was jetzt?“

Ich sah noch einen Moment auf die Stelle, an der die Kennung gestanden hatte.

Dann musste ich lächeln und wandte mich zu Ihr

„Jetzt suchen wir das nächste Puzzlestück.“

—TBC—