Wörter: 1563
Personen: Parlan (NPC), Rico Dynamite
=/= USS Maxwell Forrest – Bereitschaftsraum – einige Tage zuvor =/=
“Guten Morgen, Sir.“ Captain Parlan, mein derzeitiger Vorgesetzter und kommandierender Offizier des Schiffes hatte mich ungewöhnlich früh in seinen Raum gerufen, weswegen ich von einer nicht alltäglichen Sitzung ausging. Für den Fall, dass ich mich irrte, hatte ich aber natürlich trotzdem die aktuellen Positionsdaten der Flotte dabei. Informiert über den laufenden Auftrag war ich als Verbindungsoffizier zum Flottenkommando ohnehin, weswegen mir diese geringfügige Hilfe ausreichen würde, um den aktuellen Stand zu kommentieren. Schon beim Eintreten konnte ich aber am Gesicht des Andorianers, das ich im Laufe der vergangenen drei Jahre einigermaßen zu lesen gelernt hatte, dass es tatsächlich nicht um unseren derzeitigen Auftrag gehen würde.
“Guten Morgen, Commander.“, antwortete er trotzdem wie jeden Tag und deutete dann ebenfalls wie immer auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. “Nehmen Sie bitte Platz!“ Selbst nach drei Jahren, in denen ich mich zur Besprechung niemals hingesetzt hatte, bot er mir diese Gelegenheit immer noch an jedem weiteren Morgen an, was mich zu Anfang sehr verwirrt hatte. Mittlerweile aber hatte ich von einem Counselor an Bord erfahren, dass viele emotionale Spezies derlei Dinge manchmal für ein Spiel hielten und es zu ihrer eigenen Belustigung verwendeten. Und weil es der Moral an Bord nicht schaden konnte, wenn der CO gut gelaunt war, gab ich ihm die ohnehin schon erwartete Antwort: “Ich stehe lieber, Sir.“
“Also gut.“, murmelte er diesmal allerdings anstatt wie sonst direkt mit der Besprechung zu beginnen. “Sie sind wohl sowieso nicht leicht umzuhauen.“ Obwohl ich durch meine vielen Jahre im Dienst der Flotte recht vertraut mit Redensarten war, konnte ich diese im Augenblick nicht entschlüsseln. Sicherlich war nicht wörtlich gemeint, dass in naher Zukunft jemand versuchen würde, mich von den Beinen zu bringen, aber auch die übertragene Bedeutung ergab keinen Sinn, denn für diese spielte es ja keine Rolle, ob ich stand oder saß. “Sir?“, fragte ich daher mit gehobener Augenbraue, meinem Zeichen für höchste Verwirrung, nach und erhielt ein Wedeln mit der Hand zur Antwort.
Anstatt einen weiteren Kommentar abzugeben, kam Parlan dann aber endlich zum Punkt unseres Gespräches, indem er seine Hände auf ein PADD legte und erklärte: “Das Hauptquartier hat neue Befehle für Sie.“ Das war in der Tat ungewöhnlich und rechtfertigte eine außerplanmäßige Besprechung mit dem kommandierenden Offizier. Normalerweise verlief die Befehlskette nämlich vom Oberkommando über den Stab der Flotte und den Kapitän eines Schiffes bis zum Ersten Offizier. Nur bei Dingen, die einen bestimmten Offizier persönlich betrafen, gingen die entsprechenden Befehle direkt an sein Schiff und genau das schien hier der Fall zu sein. “Sie werden versetzt.“
“Verstanden.“, erwiderte ich nur kurz und knapp, auch wenn ich mich für die Gründe hinter dieser Maßnahme durchaus interessierte. Parlan wusste davon aber sicher nicht viel mehr als ich und so wollte ich ihn nicht mit Spekulationen oder Gerüchten belästigen. Ihm aber schien diese Antwort nicht sehr zu gefallen, denn er rümpfte ein wenig die Nase. “Ich weiß, wir hatten unsere Probleme.“, äußerte er sein Missfallen dann auch verbal und seufzte dabei ein wenig. “Aber ich hatte gehofft, dass sie wenigstens ihre Freude über diesen Befehl verbergen könnten.“ Trotz redlicher Bemühungen, erneut hinter die rätselhaften Emotionen meines Vorgesetzten zu kommen, verstand ich seine Gefühle in diesem Moment aber kein bisschen. “Die Versetzung ist kein Grund, mich zu beleidigen, Sir.“, antwortete ich daher und sah ihn erneut fragend an. “Ich freue mich niemals.“
“Jaja.“, erhielt ich aber nur die implizierte Ablehnung meiner Aussage zur Antwort. “Das sagt ihr Vulkanier immer. Aber ich wette, Sie können es gar nicht abwarten, von dem ach so emotionalen Captain weg zu kommen. Stimmts?“ Ich konnte nicht ausmachen, ob er sich einen Scherz mit mir erlaubte oder ob seine Beleidigung nicht gespielt war, und beides schien mir keinen Sinn zu machen. Auf Scherze reagierte ich nicht angemessen, was nach Ansicht der emotionalen Wesen den Sinn des Witzes untergrub, und für wirklich schlechte Laune zeigte sich mir kein logischer Grund. “Nein, Sir.“, antwortete ich daher einfach wahrheitsgemäß die Frage. “Ich habe Sie stets als guten Kommandanten geschätzt, der lediglich im strategischen Bereich Schulungsbedarf hätte.“ “Danke, so genau wollte ich es gar nicht wissen.“, lautete die erneut geseufzt Antwort und diesmal war ich mir beinahe sicher, dass es sich um Sarkasmus handelte.
“Sie werden jedenfalls auf die USS Stardust versetzt.“, sprach er aber dann auch so schnell weiter, dass ich gar nicht darauf reagieren konnte. “Offiziell übernehmen Sie dort den Posten des Zweiten Offiziers, aber soweit ich das gesehen habe, gibt es noch zusätzliche Befehle, die auch ich nicht lesen darf.“ Nachdem er fertig gesprochen hatte, musste ich einen Augenblick darüber nachdenken, denn dieser Befehl war gleich aus zwei Gründen ungewöhnlich. Einerseits hatte das Oberkommando normalerweise keine Geheimnisse vor den kommandierenden Offizieren, noch viel weniger wenn es um deren Untergebene ging, und andererseits hatte die Stardust zwei sehr berühmte Offiziere an der Spitze, die beide noch zu jung waren, um auf einen höheren Posten befördert worden zu sein. Welche Aufgabe sollte ich also dort erledigen?
Es gab nur einen logischen Weg, das herauszufinden und so wartete ich darauf, dass Captain Parlan mir das PADD aushändigt, mit dem er schon seit Beginn des Gespräches spielte, und schließlich tat es das auch mit einem Blick, der mich beinahe vermuten ließ, dass er schon um meinen Nachfolger wusste und nicht glücklich war. Anders konnte ich mir zumindest nicht erklären, warum er meinen Weggang emotional negativ hätte bewerten mögen, wo ich doch strikt darauf geachtet hatte, niemanden in der Crew Glauben zu machen, bei einer professionellen Arbeitsbeziehung könnte es sich um Freundschaft handeln. Schließlich verschwand der Ausdruck auf seinem Gesicht aber auch so schnell wie er gekommen war und mein bisheriger Vorgesetzter sagte nur noch: “Wegtreten, Commander! Und verabschieden Sie sich, bevor Sie uns verlassen.“ “Aye, Sir.“
=/= USS Stardust – Büro des XO – Tag 1, 11:00 Uhr =/=
Wie sich herausgestellt hatte, ging es dem Hauptquartier weniger um meine Arbeit als Zweiter Offizier, da eine so kleine Crew durchaus mit nur zwei Führungskräften auskam, sondern eher um eine Einschätzung des aktuellen XO, Commander Rico Dynamite. Offenbar hielt man viel von meinen Bewertungen von vorgesetzten Offizieren, die ich in der Vergangenheit auf jedem Posten angefertigt hatte und wollte sich nun absichern, bevor man dem jungen Trill zu einer steilen Karriere verhalf. Es war nämlich gerade erst knapp über ein Jahr her, dass er noch Chef der wissenschaftlichen Abteilung gewesen war und die Stellvertretung seines Captains nur aufgrund eines bedauerlichen Unfalls auf einer Mission übernommen hatte.
Mittlerweile hatte er die Schulung zum Kommandooffizier aber absolviert und hatte auch seine Beförderung in den Rang eines Commanders erhalten, was ihn zum legitimen Ersten Offizier der Stardust machte. Wenn es nach dem Hauptquartier ging, das in dieser Hinsicht in gewisser Weise vom Ministerium unter Druck gesetzt wurde, waren aber sowohl er als auch der CO dieses Schiffes zu Höherem bestimmt. Insbesondere jetzt, wo die mediale Aufmerksamkeit wegen der neuen Präsenz im Gammaquadranten noch hoch war, wollte man wohl die Beförderung zweier Helden dazu nutzen, sich in der kriegsmüden Öffentlichkeit beliebter zu machen. Ich bedauerte diese Spiele der Politik stets aufs Neue, denn sie waren nur aufgrund der so unzuverlässigen Emotionen vieler Spezies überhaupt nötig, doch ein Befehl war nun einmal ein Befehl.
Die ehrliche Antwort auf die Frage des Commanders, warum ihm ein DXO zugeteilt worden war, ohne dass einer angefordert worden wäre, musste also lauten: “Weil die beiden berühmten Anführer der Stardust aus politischen Gründen befördert werden sollen und man sich bei Ihnen noch nicht sicher ist, ob man das Risiko einer so schnellen Karriere eingehen möchte, während die Verdienste des Fleet Captains außer Frage stehen.“ Aber natürlich war es mir verboten, über meinen Auftrag zu sprechen, was in Anbetracht der Zielsetzung ja auch sehr logisch war, und so erklärte ich ausweichend, ohne meinen neuen Vorgesetzten damit direkt anzulügen: “Über die Beweggründe des Oberkommandos müssen Sie bitte das Oberkommando befragen, Sir.“
Daraufhin runzelte er leicht die Stirn, sah erneut auf das PADD mit meinem Versetzungsbefehl und verzog dann leicht seinen Mund. Welche Emotion r damit auszudrücken versuchte, war mir aufgrund der mangelnden Erfahrung mit Trill nicht ganz klar, doch deuteten gewisse Gemeinsamkeiten mit anderen emotionalen Spezies eher auf negative Gefühle hin. Ganz im Gegensatz zu dieser Einschätzung stand allerdings die verbale Reaktion des Commanders, die nämlich lautete: “Großartig. Dann willkommen an Bord, Lieutenant Commander T’Kara.“ Und noch bevor ich mich fragen konnte, mit welcher der beiden Eindrücke von seiner emotionalen Lage ich nun richtig lag, fügte er außerdem hinzu: “In einer halben Stunde haben wir eine Besprechung wegen der kommenden Mission. Sind Sie bis dahin dienstbereit?“
“Das bin ich immer, Sir.“, lautete meine wahrheitsgemäße Antwort und zum Unterstreichen der Aussage zeigte ich auf den kleinen Beutel, der die wenigen persönlichen Gegenstände enthielt, die ich jeweils von Schiff zu Schiff mitnahm, wenn ich versetzt wurde. Etwas anderes als die Uniform hatte ich ohnehin seit dem letzten Pon’Farr nicht mehr getragen und mein Quartier musste für meine Anwesenheit während der Nächte nicht umständlich eingerichtet werden. Theoretisch hätte ich den Commander also sogar sofort zu dieser Besprechung begleiten können, auch wenn das in diesem Fall nicht notwendig war. Stattdessen erhielt ich eine knappe Einweisung in die laufenden Schichten und stehenden Befehle des Captains, bevor der Trill mich anschließend entließ, damit ich mein Gepäck in das Quartier bringen konnte, in dem ich für die nächsten Wochen wohnen würde.